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„Seid Ihr alle da?“ - Digitaler Schulstart in der WGS

 

Donnerstag,14. Januar, 5. Stunde. Unser Realschulzweigleiter Dr. Richter sitzt vor seiner Klasse G6b. Also virtuell, versteht sich. Sitzt er sonst locker auf seinem Pult, bedient er jetzt beim Homeschooling entspannt sein Ipad und begrüßt seine Schülerinnen und Schüler.

DrRichter gibt Bio mit dem Zeigefinger

Da poppen auch schon im Chatfenster die Hallos und Guten Tag-Wünsche der Kinder seiner Bio-Klasse auf.  Einer nach dem anderen meldet sich auf dem Onlineportal Big Blue Button an. Ein bisschen ist das wie im guten alten Kasperletheater. Auf die Frage, ob alle jetzt da seien, antworten 20 Schüler in dieser Stunde im Chat mit „ja!“ oder einem freundlichen „Hallo!“

Dann wird von Ferne unterrichtet. Dr. Richter malt ein Herz und bittet einen Schüler die Herzkammer einzuzeichnen. Sofort kritzeln einige mit ihren Cursern los. So geht das nicht. Jetzt heißt es den Rückgängigpfeil zu benutzen, der auf dem Ipad-Bildschirm alles rückgängig macht. Diese Aufforderung wird noch öfter fallen. „Aber eigentlich sind alle hier sehr diszipliniert“, kommentiert Dr. Richter seine Online- Erfahrungen. Das System arbeite einigermaßen stabil „Es läuft. Und zwar mehr recht als schlecht“. Trotzdem fliegen in dieser Stunde immer mal wieder Schüler aus dem virtuellen Klassenzimmer oder haben plötzlich keine Stimme mehr, weil das Mikro nicht mehr funktioniert. 

DrRichter begrt seine Bio Klasse 

Gutes WLAN ist wichtig

Das Rausfliegen habe seinen Grund, weiß Shabana aus einer 9. Gymnasialklasse: „Von anderen Mitschülern habe ich mitbekommen, dass sie sehr schlechtes WLAN haben und sich daher nicht richtig am Unterricht beteiligen können. Auch haben manche keine guten Geräte, weswegen sie dem Unterricht nur mit einem Handy folgen können.“  Das sei leider manchmal immer noch so, bestätigt auch Dr. Richter. Jedoch sollten alle wissen, dass die Weingartenschule Kindern, die keine guten Endgeräte hätten, kostenlos Ipads zur Verfügung stelle. Der Kreis habe dies ermöglicht. So könne jeder teilhaben. Gegen ein instabiles WLAN seien sie allerdings machtlos. In der Schule selbst funktioniere das WLAN einwandfrei. 

Darauf habe sie Wert gelegt, führt unsere Schulleiterin Frau Wetterau-Bein aus. Ihre Schule habe nach dem Online-Wirrwarr während des letzten Lockdowns ihre digitalen Hausaufgaben erledigt. Nun stünden sie alle besser da. Es findet in diesen Tagen ein reger Erfahrungsaustausch unter den Lehrkräften statt, eine wahre Entdeckungsreise neuer digitaler Möglichkeiten. Das Ergebnis: Mit dem digitalen Unterricht kommen die Kinder jetzt gut zurecht. 

„Wir arbeiten viel gemeinsam am Bildschirm, es ist ein bisschen so wie in einer Arbeitsgruppe“, fasst Quentin aus der G6b seine Erfahrungen in der ersten Woche nach den Weihnachtsferien zusammen. Aufgaben müssten gemacht werden und würden auch überprüft. „Einfach auf dem Schulportal abgeben und fertig“, bemerkt sein Klassenkamerad Alexander dazu, „wir lernen selbstständiger in so einem Unterricht, stellen anderen Fragen und die Mitschüler beantworten die auch“. Der Lehrer sei einfach weiter weg in dieser Form der Wissensvermittlung, lautet das Resüme.

 

Die Gemeinschaft fehlt

Also ist der digitale Fernunterricht vielleicht sogar der Bessere? Da regt sich Widerspruch in der G6b. Die lebhaften Pausen werden vermisst, das Toben und das menschliche Miteinander, keine Frage. Die Lehrerinnen und Lehrer zu sehen und als leibhaftige Personen zu erleben sowie die Klassengemeinschaft seien nicht zu ersetzen.

Auf Distanz Schler mit Maske

Die wenigen Schüler, die an der Schule sind, tragen Maske.

 

Strukturen helfen

Der Unterricht selbst sei anders als früher und teilweise auch anstrengender, erklärt Dr. Richter. Multitasking sei gefragt. „Anwesenheitskontrolle, Hausaufgabenkontrolle, im Chat mündlich und schriftlich zu antworten, mit allen zusammen zu chatten und nach Bedarf gleichzeitig einzelne Schüler anzuschreiben, sei nicht immer leicht unter einen Hut zu bekommen. Parallel dazu müssten Arbeitsaufträge eingestellt, Schülerantworten korrigiert und Lösungsblätter geschickt werden. Auch schlechtes WLAN kennt er: „Manche Schüler haben zu Hause Internetprobleme und müssen wieder neu in die Chaträume eingelassen werden. Es sei alles sehr zeitaufwändig. Lerninhalte zu vermitteln, sei langsamer möglich als im normalen Unterricht. Aber alles sei besser als keine Schule, das stehe für ihn fest. „Wir geben einen Stundenplan und schaffen feste Strukturen“, so Dr. Richter. 

Dass man im Präsenzunterricht schneller arbeiten könne, sieht auch Kollegin Frau Acker, die Deutsch und Musik unterrichtet. Aber sie weist auch auf einige Vorteile hin: „Es herrscht mehr Ruhe im virtuellen Raum, es wird nicht laut gestört und vor allem: Die Schüchternen kommen mehr zur Geltung“.  Cliquenbildung und der damit verbundene Ausschluss von Schwächeren passieren so viel seltener.

In Musik könne sie im virtuellen Klassenraum auf YouTube-Links gehen und Musikstile besprechen, das käme gut an.

 

Planungssicherheit gewünscht

Gut angekommen im Corona-bedingten digitalen Fernunterricht sind auch die Eltern.

Deren Erfahrungen fasst unsere Elternbeiratsvorsitzende Melanie Hirt zusammen: „Es läuft relativ gut. Alle sind positiv überrascht: BBB (Big Blue Button) und das Schulportal haben fast reibungslos funktioniert. Vor der Schulleitung war eine klare Struktur vorgegeben worden. Die Eltern wurden gut informiert. Die dafür nötigen Infos standen auf der Homepage. Alles sehr transparent“, lobt sie. 

Das sah vor Weihnachten noch anders aus. Da stand das Telefon nicht still. Besorgte Eltern fragten nach. Jetzt nach dem Schulstart, hätten sich nur wenige Eltern bei ihr gemeldet. 

Viel Lob geht auch an Herrn Preis als IT-Beauftragten der WGS. Er mache einen sehr guten Job. Die Elternschaft wisse seine Arbeitsergebnisse und seine hohe Verantwortlichkeit in diesen Tagen sehr zu schätzen.

 

Hinter den Kulissen

Klarer Sieger zu Beginn dieser ersten Distanzunterrichtswoche waren das Videoportal BigBlueButton (BBB), welches über das Staatliche Schulamt finanziert wurde, sowie das Schulportal Hessen. 

So konnte die Weingartenschule in Kriftel eine nahezu vollständige Liveabbildung des aktuellen Stundenplans wiederspiegeln und die Schülerinnen und Schüler im digitalen Schulalltag unterrichten. Vorab liefen natürlich viele Dinge im Hintergrund, um dies überhaupt möglich zu machen: So wurden Schul-iPads aus dem Sekretariat der Schule verliehen, virtuelle Klassenräume in BBB durch Lehrerinnen und Lehrer errichtet, sowie das Schulportal Hessen erweitert, sodass die Übermittlung einer Zeugnisnote an eine Schülerin oder einen Schüler datenschutzkonform erfolgen kann. 

Federführend hierbei ist der EDV-Beauftragte der Schule, Der Lehrer Markus Preis arbeitet in dieser Woche komplett von zuhause aus. In seinem Homeoffice wechselt er zwischen vielen unterschiedlichen digitalen Endgeräten, um neben dem Unterrichtsangebot über das Videoportal BBB auch über das Schulportal Hessen Aufgabenstellungen sowie Material bereitzustellen und gleichzeitig auf Anfragen (Anmeldezugänge, Passwortrücksetzungen, technische sowie telefonische Unterstützungen, WLAN-Fernwartungen, iPad -Fernwartungen, Anleitungen im Umgang mit BBB und dem Schulportal) im Laufe eines Tages reagieren zu können.

HomeofficePreis1

Hier gehts zum offiziellen Zeitungsartikel.

 


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