WGS: Realschüler durchlaufen ein Bewerbungstraining der Bahn

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(01.02.2024) In letzter Zeit stand die Deutsche Bahn ja eher für negative Erfahrungen. Rekordverdächtige Streiks, Verspätungen, Zugausfälle, leere Kassen, volle Züge. Da ist es umso zielführender, wenn die Deutsche Bahn etwas Positives in Bewegung setzt. Das Bewerbertraining für die 10. Realschulabschlussklassen in der Weingartenschule (WGS) kam da gut an.

8 Uhr morgens, Dienstag, 23. Januar: In der Aula der WGS sitzen 85 zum Teil noch recht müde Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen des Realschulzweigs. Sie erwarten an diesem Vormittag simulierte Bewerbungsgespräche. Ausbildungsgesamtkoordinator DB Netz AG, Jan-Niclas Peifer, ist mit den Personalmanagern Tim Plankenbühler, Luisa da Silva und Trainee Nora Bauer gekommen, um die 10. Klassen fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Studienrat Basel Mirza von der WGS hat die Idee mit auf den Weg gebracht.

Nach einer motivierenden Ansprache gehen die Jugendlichen in ihre Klassenzimmer. In der R10b lauschen circa 20 Schüler den Ausführungen von Tim Plankenbühler vom DB Job Team. Der Personalmanager erklärt, was sie als mögliche Auszubildende bei der Deutschen Bahn erwartet. 50 unterschiedliche Ausbildungsplätze bietet das Unternehmen an: vom Bauzeichner über die IT-Systemfachkraft bis hin zum Immobilienkaufmann. Was bringt die Bahn“, wird gefragt. „Eine ganze Menge: ein 13. Gehalt, bis zu 350 Euro Mietzuschuss, Jobtickets und 16 Freifahrten, wohin ihr wollt“, muntert Plankenbühler die jungen Zuhörer auf. „Einmal Hamburg, Fischbrötchen essen und zurück, kein Problem“. Das kommt an. Wie sieht’s mit der Bezahlung aus? Das interessiert diese Altersklasse besonders. Die Bahn zahle gut, beruhigen die Personalexperten. Je nach Ausbildungsjahr bringe ein Azubi zwischen 1019 bis 1222 Euro im Monat nach Hause. Aber wichtiger als das rein Monetäre, betont der Personalmanager, sei die Übernahmegarantie der Deutschen Bahn: „Ihr wisst also, wohin die Reise geht.“

Erhöhte Chancen

In der R10a wird ein Bewerbungsgespräch simuliert. Der Personalmanager und seine Kollegin stellen die Situation realistisch nach, wie sie ihren Berufsalltag prägt. Zwei Freiwillige, David (17 Jahre) und Julian (16) sitzen neugierig vor den Experten. Sie werden darauf vorbereitet, wie man sich zu verhalten hat, was gute und schlechte Fragen von Bewerbern sind. Bewerbertraining ist oft eine Frage von richtig oder falsch, das haben Serafine (15) und Allegra (15) heute gelernt. Abgelehnt, was dann? „Ein Plan B ist immer wichtig“, rät der Personalmanager. Es sei beispielsweise gut, einen besseren Abschluss zu wollen. Eine gute Nachbereitung zum Feedback sei auf jeden Fall hilfreich. „Reflektieren, was schiefgelaufen ist, um besser zu werden“.

Die Tipps kommen gut an bei den Jugendlichen. „Man bekommt mehr Sicherheit“, meint David, „in zwei Wochen wird es bei mir ernst“. Er will bei der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) anfangen.

Es geht an diesem Vormittag auch um Motivation. „Einige Jugendliche holen sich bei der Beratung den letzten Anstoß“, weiß Studienrat Basel Mirza. Im Allgemeinen gingen pro Klasse ein Viertel der Schüler auf eine weiterführende Schule. Ein paar mehr, so hoffe er, würden nach dem Bewerbertraining eine Ausbildung machen. Einige hätten schon jetzt Verträge unterschrieben. Die Ausgangslage sei alarmierend: Angesichts eines Marktes, in dem jede zweite Lehrstelle unbesetzt bleibe, müssten sich die Unternehmen heutzutage bei den jungen Leuten bewerben. Das zeige aber auch, wie stark das Bedürfnis nach Orientierung bei den Jugendlichen sei, so der stellvertretende Schulleiter Heyd.

In der Abschlussveranstaltung am Ende eines informativen Vormittags treffen sich alle wieder in der Aula: die Manager von der DB, der Ausbildungskoordinator Basel Mirza und der stellvertretende Schulleiter Alexander Heyd. Sie sind zufrieden mit dem ersten Bewerbertraining. Auch die Resonanz der Jugendlichen ist durchweg positiv. Die Beteiligung war rege. Zu guter Letzt gibt es noch ein temporäres Stimmungsbild unter den 80 Jugendlichen: Sieben Schüler haben schon einen Ausbildungsplatz, 25 gehen auf eine weiterführende Schule, zwei machen ein Freiwilliges Soziales Jahr. Die meisten haben zwar eine Berufsidee, sich aber noch nicht gekümmert. Jetzt gibt es erst mal Halbjahreszeugnisse. Viele warteten die Abschlusszeugnisse ab und bewerben sich im Sommer.

Solide Basis

Angefangen hat die Kooperation zwischen der WGS und der deutschen Bahn 2023 bei der Berufsmesse in der Schule. Jetzt sollen die Schüler regelmäßig fit gemacht werden. Denn, so Alexander Heyd, eine frühzeitige Berufsorientierung sei für die erste berufliche Entscheidung besonders wichtig.  Sie bilde für das weitere Leben eine solide Basis. “Gut ist, wenn unsere Schüler nun rechtzeitig auf den für sie bereitgestellten Zug aufspringen und die Ausbildungsangebote nutzen“, hebt Heyd hervor. Mehr Hilfestellung will Ansprechpartner Basel Mirza zukünftig geben: „Ein größerer Bedarf ist im Realschulzweig und dem Hauptschulzweig sichtbar. Die Schüler haben die Möglichkeiten, sich bei mir zu melden, wenn es zwickt. Dann bekommt jeder seine individuelle Beratung und die Unterstützung, die er oder sie benötigt.“

Seine Zukunftsvision: „Gymnasialzweigschüler müssen nicht unbedingt die Oberstufe besuchen. Sie sind bei Unternehmen als Auszubildende auch gefragt!“ Darauf soll in diesem Sommer hingewiesen werden – so dass jeder der Jugendlichen für seine Laufbahn auf das richtige Gleis gesetzt werden kann.

von Alexander van de Loo

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